Fotostiftung Schweiz startet ihr bisher größtes Katalogisierungsprojekt
Bis zum Jahr 2031 werden rund 160 Archive konservatorisch gesichert, digitalisiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Dieses bedeutende Fünfjahresprojekt bildet den Kern der strategischen Neuausrichtung der Stiftung, die im Januar 2026 bekannt gegeben wurde.
Ein vierköpfiges Co-Direktorium, unterstützt von einem 20-köpfigen Spezialistenteam, wird die Aufarbeitung und Erhaltung des visuellen Kulturerbes der Schweiz grundlegend vorantreiben, es digital sichern und öffentlich zugänglich machen.
Bewahrung des fotografischen Gedächtnisses
Im Zentrum des Projekts steht die physische Aufarbeitung und Erschliessung der rund 160 Archive, die die Fotostiftung Schweiz im Auftrag des Bundes betreut und die schätzungsweise 3,5 Millionen Objekte umfassen. Die Binnenstruktur eines jeden Archivs wird festgehalten und visuell hervorgehoben. Die Fotografien werden inhaltlich beschrieben, in archivsicheres Material umverpackt und eine Auswahl digital gesichert, um sie für zukünftige Generationen zu bewahren. Parallel dazu werden die Magazinräumlichkeiten modernisiert und die digitale Infrastruktur weiterentwickelt. In den kommenden fünf Jahren arbeiten jeweils drei Teams parallel an einem Archiv, unterstützt von Fachleuten aus den Bereichen Konservierung, Datenbankmanagement, Digitalisierung und Logistik. Mit der Fokussierung auf die Katalogisierung und Nutzbarmachung der anvertrauten Bestände festigt die Fotostiftung Schweiz ihre Position als Kompetenzzentrum für die Schweizer Fotografie. Die organisatorischen, finanziellen und infrastrukturellen Voraussetzungen des Projekts sind bis Ende 2026 erfüllt.
Rettung gefährdeter Bestände
Neben der physischen Konservierung von Vintage Prints, Contact Sheets, Dias und Negativen – die je nach Material unterschiedlich gehandhabt und gelagert werden müssen –, drängt vor allem die Sicherung zahlreicher, zum Teil äuflerst vulnerabler Negativbestände. Ein Beispiel ist Filmmaterial, das vor 1970 belichtet wurde: Häufig aus Zellulose-Nitrat oder -Acetat bestehend, kann dessen Zersetzung durch klimatisierte Lagerung zwar verlangsamt, aber nicht aufgehalten werden. Die Fotostiftung Schweiz digitalisiert ihre Bestände im Reprofotografie-Verfahren; Masterdateien werden im digitalen Langzeitarchiv gesichert, während Bilder über das „Bildarchiv Online“ der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die wachsende Zahl digitaler Bildbestände aus hybriden Archiven bringt neue Herausforderungen mit sich, denen das Projektteam begegnet. Langfristig sollen verlässliche Bestandesdaten standardisiert, maschinenlesbar und über Permalinks laufend zugänglich gemacht werden, um die Vernetzung mit anderen wissenschaftlichen Daten zu gewährleisten.
100 Fotos pro Archiv und niederschwellige Erschliessung
Aus jedem bearbeiteten Archiv entsteht eine digitale Vitrine aus 100 Objekten, die online einsehbar sein wird. Neben der quantitativen Steigerung an digitalisierten und publizierten Werken gibt es auch einen inhaltlichen Mehrwert. Die Archive werden erschlossen. Neue kontextuelle Bezüge entstehen. Die Datenbank wird von Redaktionen, Ausstellungsmachenden, Verlagen, Nachwuchsfotografinnen, Historikerinnen, Forschenden und Kunstsammlerinnen genutzt. Sie können Vintage Prints oder Ausstellungsabzüge in hoher Qualität bestellen und in Dokumenten blättern, die viel über die Entstehung der Fotografien verraten – etwa über die Auftraggebenden, das Verhältnis zwischen Fotografin und Motiv oder die Lust am schnellen Auslösen. Solche dokumentarischen Belege, Hintergrundinformationen und weitere Quellen werden im Rahmen des Projekts in der Datenbank verzeichnet.
Wie Co-Direktorin Madleina Deplazes, verantwortlich für Archive & Sammlungen, festhält: „Wir wollen diesen Schritt gehen, um die Zukunft der Archive zu sichern – gemeinsam mit den Fotografinnen, den Schenkerinnen von Lebzeiten und den Nachlasser*innen, die uns ihr Lebenswerk anvertraut haben. Damit öffnen wir Türen für die weiterführende Forschung.“